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Oliver Uschmann: Wandelgermanen

Oliver Uschmann, 30-jähriger Journalist, Literaturpreisträger und Ex-Packer, hat mit seinen beiden Romanen über die Männer-WG „Hartmut und ich“ eine Marke kreiert, eine eigene „Hui“-Welt, die man auf besonders vergnügliche Weise auch virtuell im Internet besuchen kann.
Jetzt ist, nach „Hartmut und ich“ und „Voll beschäftigt“ der dritte Streich um die beiden unglaublichen Ruhrpöttler erschienen. In „Wandelgermanen“ schickt Uschmann seine Helden, mit samt Partnerinnen, Katze und Schildkröte, in den abstrus-archaischen Kampf zwischen Mann und Natur.
Hartmut und ich mit ihren Angetrauten Susanne und Caterina benötigen dringend eine neue Bleibe, da in ihrem alten WG-Haus in Bochum ein Lkw in der Wand steckt. Also ersteigert Hartmut für 8000 Euro bei eBay ein Haus auf dem Land. Mit zwei Kleintransportern voller Hausrat fährt die WG 400km ins nordöstliche Baden-Württemberg, um in einem winzigen Dörfchen festzustellen, dass die erworbene Ruine nicht nur unmöglich zu renovieren ist, sondern auch ein statisches Eigenleben führt und von absonderlichen Nachbarn umgeben ist. Während die Frauen sofort das Weite suchen, erwacht in den zurückbleibenden Männern der Handwerker-Ehrgeiz und die aus der Verzweiflung geborene Gewissheit, dass die Partnerinnen erst nach einer kompletten Sanierung des Hauses den sicheren Beobachtungsposten aufgeben werden. Also nehmen Hartmut und ich die Hilfe der Dorfbewohner in Anspruch, um im Gegenzug dafür heidnische Bräuche in Kauf zu nehmen.
Während der eine mit einer Gruppe von Heimatversessenen, die nach altem Germanenbrauch nicht wandern, sondern wandeln, die Wälder durchstreift, darüber hinaus die Füße in Fichtennadelwasser baden und das Hohelied zitieren muss, betreibt der andere mit einer Gruppe entfesselter Paramilitärs Wehrsport, um sich hierdurch der Helfer für die Sanierung des Hauses zu vergewissern. Diese macht dabei freilich nur langsame Fortschritte, denn die unendlichen Weiten expertengefüllter Baumärkte und die unergründlichen Gänge der zuständigen Ämter stellen schwerwiegende Hindernisse auf dem Weg zum Eigenheim dar.
Während des Wartens auf den mysteriösen Restaurator Leuchtenberg, der nicht kommt, wenn man ihn ruft, sondern wenn er will, und dem gleichzeitigen Kampf der beiden Männer um ihre abtrünnigen Geliebten, zündet Uschmann ein unglaubliches Feuerwerk aus Slapstick-Szenen, in einer denkwürdigen Mischung irgendwo zwischen Kafkas „Schloss“ und „Asterix bei den Goten“. Ein Roman, der unbedingt von Detlev Buck verfilmt werden muss. Gelesen sowieso.
Oliver Uschmann: Wandelgermanen, Roman, Scherz Verlag 2007, 384 S., 12,90 Euro
13.12.07 13:15
 
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