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Henning Mankell - Die italienischen Schuhe

„Wenn der Schuh passt, denkt man nicht an den Fuß“, lässt Henning Mankell den alten Schuhmacher Gianconelli zitieren, der aus dem betriebsamen Rom in die schwedischen Wälder gekommen ist, um in Ruhe seine zwei Paar Schuhe im Jahr für berühmte Leute zu fertigen. Dem alternden Arzt Fredrik Welin, Hauptfigur in Mankells neuem Roman „Die italienischen Schuhe“, passt indes sein ganzes Leben nicht mehr. Der ehemalige Chirurg lebt zurückgezogen auf einer kleinen Schäreninsel. In seinem Wohnzimmer wächst ein Ameisenhaufen. Er führt ein Logbuch mit Notizen, die zu nichts anderem dienen als der Erinnerung an sein inhaltsleeres Dasein. Seine einzigen Berührungspunkte mit dem Leben bestehen in den sporadischen Kontakten mit dem Postboten, seinem Hund, seiner Katze und dem täglichen Bad im Eiswasser. Eines Tages steht Harriet vor ihm, seine Jugendliebe, die er fast vierzig Jahre zuvor verlassen hatte, und erinnert ihn an ein nie eingelöstes Versprechen. Schnell stellt sich heraus, dass Harriet bald sterben wird, was Welin dazu bewegt, seine Insel zu verlassen, seine Burg zu öffnen und Harriet zu folgen, um sein Versprechen einzulösen. Die Reise nach Nordschweden wird zu einer Reise in die Vergangenheit, reißt alte Wunden auf und zwingt Fredrik Welin, sich dem Leben zu stellen. So begegnet er nicht nur seiner Tochter, von deren Existenz er nichts wusste, sondern nimmt auch Kontakt zu der Frau auf, deren Leben er zwölf Jahre zuvor durch einen ärztlichen Kunstfehler zerstört hatte. Doch der Weg in die Verantwortung für die eigenen Taten ist steinig. Zurück auf seiner Insel, muss Welin sich der Allgegenwart des Todes und dem Gewicht der Lügen stellen.
Mankells 26. Roman ist ein Buch über die Liebe, die Einsamkeit und späte Reue, voller Metaphorik, die zuweilen Gefahr läuft, etwas hölzern zu wirken. Aber Mankell überrascht seine Leser hier mit einem neuen Ton, einer neuen Sprache, die sich vom Stil der Wallander- und Afrikaromane deutlich abhebt. Sie rührt an den dunklen Geheimnissen, den Schwächen der Menschen, der Unruhe und der Trauer. Und bricht das Eis.
Henning Mankell: Die italienischen Schuhe. Roman, Zsolnay Verlag 2007, 365 S., 21,50 Euro
13.12.07 13:16
 
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