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Dermot Bolger: Die Reise nach Valparaiso

Die Reise nach Valparaiso

Ein irisches Gedicht, dass Brendan Brogan in der Schule gelernt hatte, handelte von einem Mann, der ein Schiff sieht und am liebsten aus der Welt flüchten würde, in der er gefangen ist, um als anderer Mensch ein neues Leben anzufangen. „Valparaiso“ heißt dieser mystische Ort, den Dermot Bolger seinen Protagonisten sich ersehnen lässt. Brendan wächst in einer Kleinstadt unweit von Dublin auf. Als sein verwitweter Vater erneut heiratet, verliert der Achtjährige sein Bett, sein Spielzeug und seine Stellung in der sozialen Hierarchie des Ortes an seinen neuen Stiefbruder Cormac. Die nächsten fünf Jahre verbringt er nachts in einem Stall am Haus, wird von seiner Stiefmutter gepeinigt und seinem Vater nur geduldet; in der Schule wird er zum Prügelknaben von Pete Clancy, dessen Vater, ein korrupter Politiker und Bauspekulant, das gesellschaftliche Leben am Ort bestimmt. Erst allmählich entdeckt Brendan die Zuneigung und Hilfe seines Stiefbruders, dessen Homosexualität ihn ebenfalls zum Außenseiter stempelt. Mit Cormacs Selbstmord einige Jahre später erfährt Brendan von den Verstrickungen seines Vaters in die Korruptionen vor Ort. Als ein Zug, in dem er eigentlich sitzen sollte, verunglückt, nutzt Brendan die Gelegenheit, seinen eigenen Tod vorzutäuschen und beginnt ein neues Leben. Seine gescheiterte Ehe und seinen siebenjährigen Sohn lässt er zurück. Erst nach weiteren zehn Jahren, als er vom Mord an seinem Vater und einem Überfall auf seinen Sohn durch die Zeitung erfährt, kehrt er an den Ort seiner Kindheit zurück. Auf der Suche nach Klärung und nicht zuletzt Rache werden für Brendan, der seine Identität zunächst nicht preisgibt, die Schrecken seiner Vergangenheit wieder lebendig.
Dermot Bolger, irischer Autor, Verlagsleiter und Träger des Samuel Becket-Preises, hat mit „Die Reise nach Valparaiso“ einen Thriller geschrieben, dessen Spannung sich nicht zuletzt aus der intelligenten Komposition aus Rückblenden und der nur fünf Tage währenden Jetztzeit der Handlung ergibt. Darin zeichnet der Autor sowohl ein unbarmherziges Portrait einer irischen Gegenwart im Wandel, als auch eine zeitlose Generationenstudie, in der das Versagen der Vätergeneration ihre Kinder in unentrinnbare Schatten hüllt. Brendan Brogan ist wahrlich kein klassischer Held – spielsüchtig, unterwürfig, unstet, voller Schuldgefühle. Dass es ihm dennoch gelingt, den Mord an seinem Vater aufzuklären und seinen Sohn und sich selbst vor dem Tod zu bewahren, offenbart, letztendlich, wohin die Reise nach Valparaiso tatsächlich führt - dass die Sehnsucht, hinüberzuwechseln in ein anderes Leben, nicht in dem fernen Ort zu finden ist, sondern in der Verantwortung für ein Leben, und sei es auch das eigene.
Dermot Bolger: Die Reise nach Valparaiso. Roman, aus dem Englischen von Thomas Gunkel, Rotbuch Verlag 2003, 444 S., 23 Euro

(c) Kersten Flenter
16.1.08 18:08
 
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