Skizzen von unterwegs

  Startseite
    Skizzen von unterwegs
    Frisch gelesen!
    Wiedergelesen...
    Dominante Versager
    Urban Electronic Poetry
    Lesebühne OraL
  Über...
  Gästebuch
  Abonnieren
 


http://myblog.de/kersten

Gratis bloggen bei
myblog.de





Juni 2008 - Geheime Aktivitäten im Teich der tumben Tölpel

Das Erscheinen dieser Juni-Ausgabe von Stroganows Lieblings-Postille fällt, wir können uns dieser Erkenntnis nicht entziehen, zusammen mit einem sportlichen Großereignis europäischen Kollektivtaumelns, sprich: der Fußball-EM 2008. Es erscheint daher an dieser Stelle angemessen, die allgemeine, sich durch sinnlos im Fahrtwind flatternde Plastikfähnchen an Mittelklassewagen äußernde Hysterie einmal skeptisch zu betrachten und uns zurück zu erinnern an das, was vor zwei Jahren innerhalb der wochenlangen Public viewing-Orgien bei der WM 2006 passierte. Mein eigenes einschneidendes Erlebnis zu dieser Zeit bestand darin, dass Stroganow und ich eines Abends von einer uns bis dato als integer und intelligent erschienenen Frau rüde gescholten wurden, dass wir doch beim Absingen der Nationalhymne gefälligst den nötigen Respekt zollen und keine Unterhaltung führen sollten. Das war beängstigend und komisch zugleich. Schließlich hatte Hoffmann von Fallersleben auch keinen Respekt mir gegenüber gezeigt, als er sich seine nationalistischen Drecksverse aus dem zugekifften Schädel sog. Immerhin, Stroganow machte in seinem Kiosk zu dieser Zeit eine gute halbe Million Euro mit dem Verkauf von Bionade, Bier und Zigaretten; das ist noch halbwegs politisch korrekt, denn der Handel mit berauschenden Substanzen zur Vernebelung des Sichtbaren gehört zu seinen Lieblingsaktivitäten. „Nix besonderes“, sagte Stroganow also, „was für Millionen von Deutschen zu dieser Zeit neu war, zum Beispiel das Umarmen wildfremder Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder die Freundlichkeit ausländischen Menschen gegenüber, gehört hier im Stadtteil bereits lange zur Kultur.“ Nein, neu war etwas ganz anderes – wir erinnern uns, dass unsere Volksvertreter unter ihrer Berliner Glaskuppel, während sich unsere Kanzlerin, die sich in den Stadien der Republik zwischen Westernhagen und Beckenbauer lächelnd untätig gab, einen ganzen Haufen perfider Gesetze verabschiedete, die wir erst nach unserem Aufwachen, Wochen nach der WM, gewahr wurden.
Es bleibt also mit Vorsicht zu beobachten, was sich hinter den Kulissen des Reichstages während der europäischen Variante des Fußballs an Aktivitäten entfesseln wird. Zur Stunde scheint mir die Chance auf eine gute Lachnummer recht groß, wie sich neulich schon im Fernsehen bei der hübschesten Klofrau der Nation, Anne Will, zeigte. Ein debil in die Kamera grinsender Guido Westerwelle, ein Student, der Arbeitslosen das Wahlrecht aberkennen möchte, und dazu eine sich als Filmemacherin tarnende Denunziantin, die wieder einmal die Armen des Landes zu Schmarotzern erklären wollte. Und als Höhepunkt eine ebenfalls wahrscheinlich unter Kawummbrause stehende Moderatorin, die vom SPD-Vertreter in der Runde ernsthaft das Versprechen wollte, dass die SPD Gesine Schwan nicht mit den Stimmen der Linken zur Bundespräsidentin wählen lassen würde. Demokratie-Basics Note 6, Frau Will. Aber irgendwie auch immer wieder Bestätigung unserer Erkenntnis des Zusammenhangs zwischen Tragik und Komik. Wohlan – Bier kalt stellen, Fahnen raus und auf in die Länder von Kuhkadaversprengern und Langsamsprechern. Oliver Pocher kommentiert. Die wahre Welt findet im Fernsehen statt.
25.5.09 18:26
 
Letzte Einträge: September 2008 - Per Rollator durchdie Galaxis, Oktober 2008 - Von Autos und Vorbildern, November 2008 - Sphären fortschreitender Verblödung, Dezember 2008 - Die großen Fragen der Menschheit, Teil 4: Wo, verdammt noch mal, ist schon wieder mein Schlüsselbund geblieben?, April 2009 - Inventur, Mai 2009 - Tränen der Freude in Mehmeds Pizza Burger



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung