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Juli 2008 - Lauter schlechte Vorwände

Mit Spannung verfolgen Stroganow und ich gerade den Prozess um die Münchener U-Bahnschläger, die im letzten Jahr, pünktlich vor Weihnachten, einen pensionierten Schulleiter fast umbrachten. Aktuell steht zur Debatte, ob die beiden Widerlinge schuldfähig sind oder nicht, da sie zur Tatzeit angeblich volltrunken waren. „Dieses Prinzip der verminderten Schuldfähigkeit ist doch eine der perfidesten Errungenschaften der Justiz“, gibt Stroganow zu bedenken, und da gebe ich ihm mal wieder Recht. Man muss sich nur rechtzeitig und genügend vollaufen lassen, und dann hat man eine Lizenz zum ungestraften zum Töten? Gut, dass die Nazis zu blöd sind, um diesen Freibrief lesen zu können.
Mal ehrlich, so schafft unser Rechtssystem doch nur immer neue Vorwände zum ungehemmten Saufen. Einzig die Osteuropäer machen sich darüber keinen Kopf, die trinken sich den Kopf matschig, ohne einen Grund dafür zu suchen. Wir Deutschen dagegen brauchen für maßlosen Drogenkonsum jeweils ein Alibi: der Langzeitarbeitslose hängt eine Angel in den Teich, die Kiffer am Fluss hängen sich Trommeln um, Schützen tragen Uniformen, Politiker gehen zum Arbeiten in den Landtag. Im Juni klammerte der Deutsche kleine Fähnchen an sein Auto oder setzte sich dämliche schwarzrotgoldene Perücken auf. Alles nur, um einen Vorwand zu haben, sich mal richtig vollaufen zu lassen. Für das ruhige Umweltgewissen säuft man am besten noch Krombacher, damit rettet man sogar den Regenwald.
„Jetzt reg dich doch nicht auf“, seufzte Stroganow, „Spanien ist Europameister, die Fahnen sind wieder runter, und hier in Hannover hält sich jeder an das Rauchverbot in der U-Bahn. Alles wird gut!“ „Auch das Ihmezentrum?“ „Arg, nicht schon wieder!“ „Die Brücke am Küchengarten ist schon weg.“ „Na, darauf könnten wir ja mal einen trinken gehen!“ „Guter Vorwand“, gab ich zu, und ließ Stroganow seinen Kios aufschließen.
25.5.09 18:27
 
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